FDP-Fraktion Mitte (Berlin)

Mehr Schein als Sein?

Ohne tragfähiges Gesamtkonzept zerplatzt der Traum von der attraktiven Friedrichstraße

Am vergangenen Wochenende wurde die Friedrichstraße auf einem Teilstück zwischen Französischer Straße und Mohrenstraße zur autofreien Zone. Nach langem Hin und Her hatten sich Bezirksamt und Senatsverwaltung auf das erste Oktoberwochenende geeinigt. Doch was bleibt letztlich von den angeblich 50.000 Flaneuren an zwei Herbsttagen?

„Eine Teilsperrung ist keine Mobilitätspolitik“, erklärt der Vorsitzende des kommunalen Verkehrsausschusses und FDP-Bezirksverordneter Bastian Roet. "Hier träumen Bezirksbürgermeister und Verkehrssenatorin von einer Friedrichstraße als Insel im Takka-Tukka-Land. Ziel muss sein, ein tragfähiges Konzept für die Friedrichstraße und die umliegenden Straßen zu entwickeln, um den Standort wieder attraktiver für Handel, Gastronomie und Gewerbe zu machen.

Statt bloßer Wochenend-Symbolpolitik braucht es ein passendes Verkehrskonzept, mit welchem der bisherige Verkehr aus der Friedrichstraße in andere Gebiete staufrei umgeleitet werden kann. Nur wenn hier endlich nachhaltige Lösungsvorschläge erbracht würden, könne die Idee einer Flaniermeile auf der Friedrichstrasse erfolgreich sein. "Es ist dabei wichtig, in die Pläne sowohl Anlieger*innen, Mitte-Bürger*innen und die  Einzelhändler*innen einzubeziehen, um eine breite Akzeptanz zu erreichen und keine von oben verordnete Entscheidung zu treffen. „Eine reine Anti-Auto-Politik mit dem Titel "#Friedrichsnice" zu übermalen, ist Augenwischerei und wird scheitern“, prognostiziert Roet.

„Zeitpunkt und Kommunikation der jetzigen Aktion sind nur ein Akt von Symbolpolitik“, ergänzt der Vorsitzende der FDP-Fraktion Mitte Felix Hemmer. „Statt die Zeit in einen Masterplan zu investieren, wird hier eine vorschnelle Entscheidung gefällt und unter dem Deckmantel eines „Leuchtturmprojektes“ vermarktet." Niemandem sei geholfen, wenn sich die Autos über die Nebenstraßen drängeln und stauen. So sei bislang völlig unklar, wie der Nordsüdverkehr umgeleitet werden kann. Denn eine gesperrte Friedrichstraße würde die Parallelstraßen enorm belasten. 

"Die temporäre Sperrung der Friedrichstraße zu einer Fußgängerzone löst langfristig keine Probleme der Straße als Shopping- und Gastronomieparadies. Wir müssen dafür sorgen, dass wieder mehr Menschen Spaß am Einkaufen und Spazieren in der Friedrichstraße haben“ so Hemmer. „Dazu finde ich unter anderem die Ideen hervorragend, die Gehwege zu verbreitern und mit Bänken und Kübelpflanzen attraktiver zu gestalten.“ 

Unstrittig sei, dass sich an der Friedrichstraße etwas ändern müsse. Seit Jahren beklagen die Gewerbetreibenden und Einzelhändler die sinkenden Umsatzzahlen, weil die Straße nicht zum Verweilen und Flanieren einlädt. Doch die Lösung könne laut der FDP-Fraktion Mitte nicht ein Schnellschuss sein. Hemmer: "Es muss ein großflächiges Konzept her. Eine Machbarkeitsstudie ist da ein guter Anfang. Am Ende des Prozesse kann durchaus eine autofreie Friedrichstraße stehen. Doch wichtig ist zunächst, dass die Straße Stück für Stück attraktiver wird, bevor man die Anreise erschwert.“